Die Worttänzerin bloggt
Ein Besuch über den Main: Von Samakita-Land nach Schlumberland

Am 4. Februar machte sich das Redaktionsteam aus dem angrenzenden bayerischen Samakita-Land auf den Weg nach Schlumberland. Man hatte gehört, dass es dort zu einer ganz bestimmten Jahreszeit außergewöhnliche Gepflogenheiten und Vorkommnissen gibt. Ja, dass das Land sich über mehrere Wochen auf dieses Ereignis vorbereitet. Noch während Geschenke ausgepackt werden und manch einer die Weihnachtsgans vertilgt, brüten die Schlumberländer bereits über den Vorbereitungen für dieses Ereignis. Fußgruppen entwerfen und nähen zu Hause fantasievolle Kostüme, und am ersten Januarwochenende schließlich fällt der lang ersehnte Startschuss für etwa 160 aktive Schlumberwagenbauer.

Dann heißt es für Groß und Klein Ärmel hochkrempeln. Am Wochenende und abends nach der Arbeit stehen sie in der Heimatbundhalle und bauen an riesigen Motiven an noch riesigeren Wagen. Da gibt es Köpfe so groß wie ein Gymnastikball und Störche fast so lang wie Giraffen, Elefanten in Lebensgröße und dann wieder Märchenschlösser, die so klein sind wie ein Mensch. An einer Ecke sieht man Kinder, die Zeitungspapier einkleistern, Frauen, die Köpfe mit rosa Farbe anmalen, Männer, die übergroße Hände oder andere Körperteile montieren und wieder andere, die Hasendraht in die richtige Form biegen. Denn der Draht dient in den meisten Fällen als Konstruktion für die verschiedenen Motive aus Pappmasché. Jeder Wagen erhält sein eigenes Motiv. Die oft lustig aussehenden Figuren erzählen eine Geschichte, die irgendetwas Aktuelles aus der Welt und dem Schlumberland zu tun hat.

Diese Vorbereitungen sind so wichtig in Schlumberland, dass sogar die Bürgermeisterin Dagmar Nonn-Adams vorbei kommt. Und nicht nur die: Das Prinzenpaar, das Schlumberland in der Zeit regiert, kommt jeden Samstag zur Stippvisite vorbei. Prinz Peter-Marzellin I. und Prinzessin Julia sind gekommen, um die Wagenbauer des Schlumberlandes zum Fortschritt zu beglückwünschen, ein Schwätzchen zur Aufmunterung zu halten und die gemeinsame Brotzeit zu eröffnen. Wobei Aufmuntern das falsche Wort ist, denn die ehrenamtlichen Wagenbauer sind allesamt gut drauf und genießen es, dabei zu sein.

Der Schlumberpräsident und die Sache mit den Schwellköpfen

Woher wir das alles wissen? Wir haben dem Schlumberpräsidenten, Richard Biegel,  Löcher in den Bauch gefragt! Vor unserem Besuch haben wir uns im Kindergarten einen Film über Schlumberland angeschaut und ganz viele Fragen überlegt. Der Oberschlumber hat sich fast zwei Stunden Zeit für uns genommen. Zuerst hat er uns den Kostümfundus gezeigt. Dort hängen ungefähr 4.500 Kostüme und Zubehör, die in den letzten Jahrzehnten getragen wurden und die bis in das 12. Jahrhundert zurückreichen. Nein, so alt sind die Klamotten nicht; sie sind natürlich alle nachgemacht. Da findet ihr Rokokokleider und Perücken aus dem 18. Jahrhundert, Pellerinen, Hellebarden aus dem 14. bis 16. Jahrhundert, Hüte von Königen bis zum Kutscher, Indianerschmuck, Märchenkleider bis hin zu modernen Outfits, wie sie Lady Gaga trägt. Und natürlich Schwellköpfe! Was das ist? Das sind riesengroße Köpfe aus Pappmaché, die sich Menschen überziehen, um andere zu erschrecken oder zu belustigen. Ihr müsst wissen, dass sich die Menschen in Schlumberland in dieser närrischen Zeit verkleiden. Warum tun sie dies? Das hat eine ganz lange Tradition, die bis ins Altertum zurückgeht. Die Menschen schlüpfen in Rollen, die sie im normalen Leben nicht spielen. Der eine will Priester, Bettler oder Teufel sein. Männer werden zu Frauen, Frauen zu Hexen oder Nonnen und Kinder zum Engel, Marienkäfer, Cowboy oder zu Pipi Langstrumpf.

Ein schlauer Oberschlumber

Der Schlumberpräsident ist unheimlich schlau. Er ist nämlich seit 60 Jahren leidenschaftlicher Schlumber und hat uns deshalb sehr viel über die Geschichte dort verraten. Leider können wir Euch das alles unmöglich wiedergeben. Schließlich hatten wir allerhand zu tun mit Schauen, Anprobieren, Anfassen und natürlich Fragen stellen…. Auf die hat sich der Oberschlumber übrigens supergut vorbereitet. Vier vollgeschriebene Seiten hatte er dabei, damit ihm ja nichts durch die Lappen geht bei den Duzend Fragen, die wir dabei hatten. Wir wollten zum Beispiel wissen, warum die Menschen hier ‚Helau’ rufen. Dafür hat Schlumberbiegel sogar ein Gedicht extra für uns umgedichtet! Die Antworten auf alle Fragen könnt Ihr in unserer Kinderzeitung lesen bzw. in den nächsten Wochen unter www.samakita-kinderzeitung.de downloaden. Doch zurück zu den Vorbereitungen in Schlumberland…

Nach der Kostümbesichtigung nahm Herr Schlumberpräsident uns mit in die Halle, wo wir den Wagenbauern beim Formen, Malen, Kleistern, Schweißen und Montieren zuschauen durften. Sogar zwei Kamerateams bzw. Fotografen von RTL und der Offenbach Post waren da. Ein Reporter hat sich uns gleich an die Fersen geheftet. Wahrscheinlich hat er gewusst, dass wir die richtigen Fragen stellen, oder wollte er vielleicht mehr über Samakita-Land wissen?? Schließlich sind wir die einzige Kindergarten-Kinderzeitung Deutschlands. Es war jedenfalls ein emsiges Treiben dort und ganz schön aufregend. Wir kleinen Samakita-Ländler waren ganz schön beeindruckt und überwältigt. So viele neue Eindrücke mit nur 5 Jahren! Trotzdem es eng und viel los war hat sich keiner beschwert, dass wir im Weg standen oder jemanden von der Arbeit abhalten. Das fanden wir echt toll! Dafür ein schlumbergroßes Dankeschön!

Besucher aus nah und fern

Von den Vorbereitungen und vor allem dem großen Treiben in der sogenannten 5. Jahreszeit hören auch die Schlumbernachbargemeinden, und sogar die ganze Nation weiß davon, denn in anderen Regionen gibt es ähnliche Veranstaltungen. Man hört, dass das Spektakel im ganzen Land immer am 11.11. eingeläutet wird, in den Wochen vor Aschermittwoch seinen Höhepunkt erreicht und am selbigen Tag endet.  Viele kommen extra angereist, um sich zu den hiesigen Schlumbern zu gesellen, gemeinsam durch die Gassen zu ziehen und anderen Menschen lustige Streiche zu spielen. Nach gut sechs Wochen Arbeit schließlich öffnen auch die fleißigen Wagenbauer ihre Hallentore, fahren alle Wagen hinaus und präsentieren sie einer breiten Öffentlichkeit, die sich das ganze Spektakel auch in bunten Kostümen verkleidet anschaut. Dies passiert immer am vorletzten Tag der Narrenzeit. Von was ist wohl die Rede? Richtig, vom großen Rosenmontagsumzug!

Was bedeutet „Schlumber“?

Wer sich jetzt noch fragt, woher die Schlumber ihren Namen haben, darf sich auf die Antwort freuen: In der Gegend rund um Seligenstadt gab es früher viele Schäfer mit Herden, und es wurde Flachs angebaut. Schlumben bedeutet zum einen die Tätigkeit des Reißens von Wolle und Flachs zu Fadensträngen. Und dann gibt es noch diese: Beim Weben ließ man mit einem sogenannten Schiffchen den Querfaden jeweils von der einen zu anderen Seite „schlupfen“. Daraus wurde in der Mundart das „Schlumbfen“ und das „Schlumbern“. Schlumber waren im weitesten Sinne also all diejenigen, die bei diesen Arbeiten und anderswo gesellig beisammen saßen, dabei zum Zeitvertreib flachsten, sich gegenseitig auf die Schippe nahmen und ihren Spaß miteinander hatten.

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