Die Worttänzerin bloggt
Gastbeitrag: Redeangst bekämpfen

Angeblich haben mehr Menschen Angst, vor Publikum zu reden als vor dem Tod. Starke Redeangst empfindet der Körper als lebensbedrohlich und reagiert entsprechend: Der Kopf errötet, die Hände zittern, man verliert den Faden und möchte am liebsten in einem großen, schwarzen Loch versinken.

Lampenfieber an sich ist zunächst nichts Schlimmes. Denn es bringt den Redner dazu, Höchstleistungen zu erbringen, sich zu fokussieren und sich auf nichts anderes als auf seine Rede zu konzentrieren. Selbst erfahrene Redner haben kurz vor ihrem Auftritt oft Lampenfieber – das sich jedoch meist legt, wenn sie erst einmal auf der Bühne stehen.

Was lässt sich gegen übermäßige Nervostität tun?

Bereiten Sie sich gut vor

Wer seine Rede gut vorbereitet und häufig geübt hat, dem dürfte bei seinem Auftritt eigentlich nicht der Faden reißen. Black-outs, bei denen der Redner vergisst, was er sagen wollte, sind so gut wie ausgeschlossen, wenn er seine Rede so verinnerlicht hat, dass er sie im Schlaf wiedergeben könnte. Je wichtiger der Anlass, um so mehr Vorbereitung auf eine Rede ist nötig.

Nutzen Sie Hilfsmittel

Es spricht nichts dagegen, Notizen mit auf die Bühne zu nehmen, wenn man Angst hat, seinen Text zu vergessen. Allerdings sollten auf den Notizzetteln nur Stichworte stehen. Ansonsten besteht zum einen die Gefahr, dass man vor lauter Nervosität beginnt, den Text wörtlich abzulesen (und nichts ist für den Zuhörer langweiliger, als ein schlecht vorgelesener Text). Zum anderen ist das Risiko bei einem ausformulierten Text hoch, dass man die Stelle, an der man feststeckt, ohnehin nicht in den Notizen findet.

Anfang und Ende müssen sitzen

Was merken sich die Zuhörer? Den ersten Satz eines Vortrags und den letzten – denn mit dem gehen sie nach Hause. Daher ist es wichtig, vor allem auf diese beiden Stellen der Rede ein besonderes Augenmerk zu legen. Ein knackiger Einstieg, der den Zuhörer direkt in den Bann zieht, und ein Schluss, der ihm etwas zu denken gibt, bleiben in Erinnerung. Daher sollten Redner den ersten und den letzten Satz auf jeden Fall auswendig lernen. In der Mitte können sie zur Not auch mal etwas improvisieren.

Redeangst2-Sabine-Olschner

Nervosität sieht das Publikum nicht

Als Redner fühlt man sich oft weitaus nervöser und unsicherer, als es beim Publikum ankommt. Innerlich zittert man, doch nach außen ist davon meist nichts zu spüren. Wer ein Gefühl dafür bekommen möchte, wie er auf der Bühne wirkt, sollte seine Rede auf Video aufnehmen und sich den Auftritt anschauen. Viele sind erstaunt, wie souverän sie erscheinen – obwohl sie sich bei ihrem Auftritt ganz anders gefühlt haben.

Letztlich macht – wie bei so vielem – erst die Übung den Meister. Schon Cicero, der berühmteste Redner Roms, sagte einst: „Reden lernt man nur durch Reden.“ Und ich weiß aus eigener Erfahrung: Es wird bei jedem Mal besser.

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Sabine Olschner (http://www.sabine-olschner.de) arbeitet als freie Journalistin und PR-Texterin sowie als Moderatorin auf verschiedenen Kongressen. Seit sechs Jahren ist sie bei Toastmasters International (http://www.toastmasters.org/) aktiv, einer weltweiten Non-Profit-Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Redefähigkeiten bei öffentlichen Auftritten zu verbessern.

Über Blogwichteln und den Texttreff

Eine der schönsten „Dinge“, die mein Leben seit fast 12 Jahren bereichern, ist der Texttreff – das Netzwerk wortstarker Frauen. Ich mag keinen virtuellen Austausch, kein persönliches Gespräch, kein Workshop-Wochenende, kein Internationales oder regionales Textinentreffen missen. Eine von sehr vielen, sehr guten Erfindungen ist das vorweihnachtliche Blogwichteln. Hier wird nicht, wie so oft, Schrott gewichtelt, ganz und gar nicht. Vielmehr wird das getauscht, was wir Textfrauen am besten können: Texte. Zugelost wurde mir dieses Jahr Sabine Olschner. Ich glaube, es war sogar Sabine, die die Initiative fürs Blogwichteln hatte. Zumindest nimmt sie die Wichtelaktion jedes Jahr zuverlässig in die Hand, startet den Aufruf und lost die Wichtelpartnerinnen aus. Bei Sabine habe ich auch bei einem unserer Workshop-Wochenenden einen Workshop besucht, wo es genau um das heutige Thema geht: Reden halten. Wenn man Sabine schon eine Weile kennt (11 Jahre) und schon einige ihrer Workshops besucht bzw. Reden gehört hat, dann kann man die deutliche Entwicklung sehen (und bewundern), die sie innerhalb nur eines Jahres dank Toastmasters gemacht hat. Ihre Reden sind wunderbar geschmeidig und auf den Punkt, denn sie spart sich die vielen „Ähs“, die Nichtgeübte wie ich noch standardmäßig einbauen. 🙂

Danke, liebe Sabine, für diesen Beitrag.

 

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