Die Worttänzerin bloggt
Glosse: Dalli-Dalli is back: Pecha-Kucha-Nacht bei der Sparkasse Aschaffenburg-Alzenau

Ein bisschen was Lustiges hatte für mich dieses vom BVMW  organisierte Business-Event in der Sparkasse Aschaffenburg schon. Denn das Vortragsformat nach Pecha Kucha war für die meisten Referenten neu: Für die vortragenden 12 UnternehmerInnen, für die Initiatorin des Abends, Beatrice Brenner vom BVMW-Untermain, und auch für Sparkassen-Vorstandsmitglied Frank Oberle. Ich selbst kannte das Format vom BVMW-Marketingtag in Gelnhausen, wo ich selbst einen Pecha-Kucha Vortrag über gute Werbetexte hielt. Und so konnte ich mich sehr gut in die Teilnehmer hineinversetzen und zuschauen, wie manche in die Dalli-Dalli-Falle gerutscht sind und andere, die die „Aufgabe“ elegant und unterhaltsam gelöst haben.

Weil es die Leser unendlich langweilen würde, wenn ich jeden der zwölf Vorträge sachlich wiedergebe, habe ich das journalische Stilmittel der Glosse gewählt. Bevor es losgeht, kurz zur Begriffserklärung:

Was ist das Wesen einer Glosse?

Ganz allgemein entsteht eine Glosse (wie auch ein Kommentar), wenn ein emotionaler Reiz aufgrund einer Nachricht oder einer Begebenheit besteht. Während der Kommentar direkt und ernsthaft seine Ansicht argumentativ vertritt, geht die Glosse den Weg übers Hintertürchen – und zwar über die Komik. Inhalte werden verzerrt, über- oder untertrieben oder durch metaphorische Übertragung dargestellt. Dabei ist es hilfreich in eine Rolle zu schlüpfen: die des Komikers, Satirikers, Sprachvirtuosen, Kritikers oder des „netten Nachbarn“, der eigene oder anderer Leute Ungeschicklichkeiten und Erlebnisse ausplaudert. Autoren greifen zur Glosse, wenn die Nachricht a) bereits einen komischen Kern in sich trägt, b) allgemein als zu bedeutend (übertrieben) eingeschätzt wird oder c) die zu vertretende These der allgemeinen Meinung entsprechen sollte, dies in der Realität aber nicht stattfindet. Da bis zu drei Viertel der Leser keine Ironie verstehen, ist das Spiel mit den Wörtern oft ein gefährliches. Das macht die Glosse auch zu einem der schwierigsten Stilmittel.

Ich bin darin ganz sicher nicht perfekt, aber einen Versuch habe ich gewagt und hoffe, er gefällt Ihnen. (Jubelschreie, exzessives Schulterklopfen, Autogrammanfragen und Heiratsanträge bitte an folgende Adresse: *wirdnochbekanntgegeben*) Wenn Sie mögen, schreiben Sie mir einfach hier Ihre Meinung. So, das war’s. Viel Spass beim Lesen!

Rampensau oder Pistenbock? Antworten im Schweinsgalopp. Aber Dalli!

„Dalli Dalli“ – hieß es schon in den 70ern bei Hans Rosenthal.  Gegen die Uhr mussten die Kandidaten antreten, Luftballons hinterhertoben, in Windeseile Koffer packen oder möglichst viele Dinge aufzählen. Belohnt wurden sie durch Rosenthals legendären Luftsprung. Sie sind der Meinung, das war schon Spitze? Warten Sie‘s ab. Heute heißen die Kandidaten „Unternehmer“ und ihre Uhr ist ein kleiner roter Balken, der sich in gefühlter Lichtgeschwindigkeit zurückentwickelt. Durchs Bild wandern Emotionen, Geschichten, Bedürfnisse. Kopfsache ist Nebensache. Hauptsache dalli dalli.

Die erste Meldung ist sodann schnell gegessen. Zwischen zwei Pommesstäbchen entweicht der 18-jährigen Blondine ein schlichtes „Ja, ich will“. Mit dem Eintunken in die Ketchupsauce wird nicht etwa eine Heirat besiegelt, sondern die Übernahme eines traditionellen Familienunternehmens. Aus 1,9 Mio Jahresumsatz machte die Urenkelin des Gründers zwischenzeitlich 20 Mio. Wie viele Pommes dafür wohl stramm stehen mussten? 6:40 Min, Dalli-Dalli der nächste. Jetzt geht‘s dem Kerl aber an die Wäsche: Im Elevator Pitch rein in die Business oder First Class, während Cheffe in der Senator Lounge kaffeeschlürfend auf sein poliertes Prachtstück wartet. Wir sprechen vom Auto – is klar, ne?  Zeit is rum, der Nächste bitte: Logistik und Kickers Offenbach – da denkt manch einer an Bierkasten und Grillgut für die Party danach. Zugegeben, zu feiern gibt‘s beim OFC ja derzeit nicht so viel, aber in der Logistik bewegt sich dieser Kandidat auf durchaus erfolgreichem Terrain. Natürlich ist alles eine Frage der Betrachtungsweise, wie die nächste Kandidatin verbildlicht. Unsere Augen sehen, was sie sehen sollen. Und das entscheidet der Bauch. Ratzfatz. In Sekunden. Praktisch unkontrolliert. Meine lieben Herren, behalten Sie dies bitte im Hinterkopf, wenn wieder eine neue Handtasche neben dem unbekannten Paar Schuhe steht. Und bitte, auch wenn Sie es (laut Aussage des nächsten Kandidaten) könnten, kontrollieren Sie deshalb nicht gleich per Smartphone, wann Ihr Herzstück die Waschmaschine startet oder Kaffee kocht. Steigen Sie stattdessen auf den visionären Pistenbock (eine Kandidaten-Wortschöpfung) und fahren allen Sorgen einfach davon. Angesichts dieser bahnbrechenden Entwicklung werden wohl bald alle Flüge auf den Mond verblassen: Rodeln 2.0 –  der Trend des 21. Jahrhunderts! Nicht für euch, liebe Jugend, es lebe die Ü30- und Silver-Generation, die angesichts der neuen Luxusstandardausführung mit komfortablem Sitz und gefedertem Chassis (um nur einige zu nennen) reihenweise ins selige Jauchzen verfallen wird. Einer Karriere als Pistensau dürfte damit wohl nichts mehr im Wege stehen… Währenddessen beeindruckt Ihre Frau die Freundinnen mit der unvergesslichen Lebensgeschichte ihres Eherings: Es war einmal ein Katalysator, der gehörte zum Cadilllac der Chippendales und wurde oberkörperfrei gehegt und gepflegt… Bis zu seinem Tode durch Recycling… Nur die Materialprüfer des Fraunhofer Instituts waren näher dran (ohne Pointe). Größer – länger  oder besser „Lego für Erwachsene“ – das ist das Credo beim letzten Kandidaten, dem Spezialisten für außergewöhnliche Transporte und Sonderverpackungen. Christo wäre vor Neid erblasst beim Anblick des Transrapids, der hübsch verpackt im weißen Folienanzug seine Jungfernfahrt antrat. Kopfkino gallore!

Ja, das waren sie fast alle, die Storyteller und Geschichten aus 1001… Pardon, der ersten Pecha-Kucha-Nacht in der Sparkasse Aschaffenburg. Während der letzte Balken auf der letzten Folie die letzten Sekunden auf der letzten 6:40Min-Präsentation herunterzählte, waren sich Gäste, Mitglieder und die Initiatoren und Leiterin des BVMW-Regionalverbandes Bayerischer Untermain, Beatrice Brenner, schon einig: „Das war Spitze!“ Nach diesem kurzweiligen Abendprogramm im Schweinsgalopp gab es beim anschließenden Networking denn auch etwas für Vegetarier und Schreiberlinge wie mich: Fleischloses Fingerfood und Zeit, den Stift wieder wegzupacken.  Für den Fall, liebe Leser, dass es bei Ihnen nicht „Dalli Klick“ gemacht hat: Für Hans Rosenthal war das damals auch kein gemütlicher Spaziergang, wie Sie bald im Ersten beim Dalli-Dalli-Revival erleben können. Luftsprung von Kai Pflaume inklusive!

 

 

Kommentare

  1. Hallo Snez
    Das ist ja mal eine ganz andere Art der Berichterstattung. Ich wäre nie auf so etwas gekommen.
    Es ist, als ob man sich mit jemandem unterhält in einer Sprache, die man nicht in der Schule lernt.
    Ich find’s witzig.
    Sommergrüße von Bea

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