Die Worttänzerin bloggt
History Marketing (Geschichtsmarketing): Wie Begriffe entstehen, die kaum jemand kennt und was man daraus lernt

Es ist mal wieder typisch unter Marketingleuten. Da denkt sich jemand einen neuen Begriff aus, um eine neue Idee auf den Punkt zu bringen. Das ist natürlich nicht schlecht und oft sogar praktisch. Was aber, wenn nur wenige Menschen außerhalb des Kreativteams diesen Begriff kennen? Oder nur wenige Branchenakteure, ganz sicher aber nicht der Rest der Welt, wie dies viele Profis meinen? Zur letzteren Gruppe – also derjenigen, die meinten, den Begriff an sich müsste doch vielen Unternehmen bekannt sein – zählte ich; bis vor kurzem. Ein Strategietreffen mit branchenfremden Vertretern, aber auch Marketingleuten, brachte überraschend Klarheit: Außer mir gab es keinen, der den Begriff History Marketing vorher kannte. Und das, obwohl der Betriff in Google  554.000.000 Treffer ausspuckt. Bei Geschichtsmarketing übrigens, was genau das selbe in Deutsch bedeutet, sind es nur 3.300.

Einige Teilnehmer hatten sich vor dem Treffen aufgeschlaut, andere sind ahnungslos reingegangen. Was sie mitbrachten war grundsätzliche Neugier, allerdings dachten sie im konkreten Fall gelangweilt: „Geschichte und Marketing: Sich in der Vergangenheit aufhalten – wie langweilig (und sinnlos) muss das sein?“ So beobachtete ich, wie eben dieser eine Vertreter anfangs noch auf seinem iPhone herrumspielte, dieses jedoch bald beiseite legte, als ich anfing, über das Thema und den Zusammenhang zum Hier und Jetzt zu sprechen. Plötzlich war er hellwach und sein Hirn fing an zu rattern. Er stellte sogar fest, dass sein eigenes Unternehmen gerade ein rundes Jubiläum hätte feiern können! Am Ende waren er als auch die anderen begeistert von den vielen Möglichkeiten, die wir teilweise zusammen gebrainstormt und erarbeitet haben.

In einem Punkt waren sich allerdings alle einig: Der Begriff ist weitestgehend unbekannt und an sich nicht sehr aussagekräftig bzw. sogar negativ besetzt (Langeweile).

Diese Erfahrung hat mich gerlehrt, dass die Entwicklung schöner Begrifflichkeiten kontraproduktiv bis nutzlos sein kann, wenn man sein Marketing nur darauf aufbaut und zu sehr voraussetzt, dass die Zielgruppe auf dem selben Wissensstand ist wie man selbst. Das mag bestimmt für große Unternehmen, wie Siemens zutreffen, die sogar einen eigenen Bereich unter „History Marketing“ auf ihrer Website eingerichtet haben. Stattdessen sind kleinere, mittelständische, familien- bzw. inhabergeführte Betriebe mit langer Tradition oft mit anderen (Alltags-)Themen oder sogar dem wirtschaftlichen Überleben beschäftigt und haben weder Kopf noch Know-how für diese Dinge. Vor allem haben sie nicht die Ressourcen, eine mannstarke Marketingabteilung wie Siemens & Co. zu beschäftigen, die immer up to date sind und jede Entwicklung mitbekommen.

Ich denke, dass gerade wir Text- und Marketingprofis (aber natürlich auch jeder andere, ähem, „Fachidiot“) aufpassen sein müssen, nicht zu viel Wissen bei der jeweiligen Zielgruppe vorauszusetzen und unsere Strategien darauf aufzubauen. Vor allem müssen neu kreierte Begriffe, so lange sie nicht so alltäglich sind wie Tempo oder Zewa, erst bekannt gemacht und mit Informationen gefüttert werden. Aus diesem Grund habe ich für die Begriffe History- bzw. Geschichtsmarketing ein paar Argumente kurz und knackig zusammengetragen und in einem pdf zum Download online erstellt: „11 gute Gründe für Familienunternehmen, ihre Firmengeschichte zu dokumentieren„.

Möchten Sie mehr darüber wissen, wie Sie Ihre Firmengeschichte und Familientradition gewinnbringend in Ihre aktuelle Unternehmenskommunikation einsetzen können? Dann freue ich mich über Ihre Nachricht an mail@apropos-text.de und natürlich auch über Ihre Lesermeinung zu diesem Thema.

 

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