Die Worttänzerin bloggt

Jetzt ist es amtlich: Der Juli hat versagt. Auf voller Länge. Erst die fehlende Sonne, dann der viele Regen. Manche meinen, der Unmut wäre nur pessimistisches Gelaber notorischer Schwarzdenker. Menschliches Versagen? Von wegen! Unterstützung bekommt die Nation der Juli-Schlechtwetter-Verweigerer jetzt auch von den Vierbeinern. Beispiel heute morgen: Mein Hund verweigert seit Tagen nach spätestens 300 Metern das Weiterlaufen. Zunächst dachte ich, es sei eine vorübergehende Befindlichkeit. Wir Frauen kennen das ja. Wir haben Migräne oder Unterleibsbeschwerden oder es ist Vollmond. Dabei ist es das Wetter! Mein Hund teilte mir heute mit, dass sie sich hiermit hoch offiziell von dem Begriff „Hundewetter“ distanziert. Sie fordert das richtige Wetter am richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt: Ab sofort trockenes, sonniges Sommerwetter, Spielen und Verweilen im Wald, am Bach und im Garten. Sie ist bereit, landläufiges Hundewetter im Herbst, Winter und natürlich im April zu ertragen. Diese Zeit ist (für Frauchen) schon schwer genug. Aber im Sommer durch den Regen und Matsch rennen? Wisst ihr eigentlich, was das für Teddys weiße Pfoten bedeutet??

Einige gefellte Kompagnions hat sie bereits für sich gewinnen können und denkt nun über eine gemeinsame Offensive „gegen das anhaltende Hundewetter mitten im Sommer“ nach. Sie ist bereit für ihren Traum zu kämpfen und sich als Vorstand eine nasse Nase zu holen. Ich als Frauchen unterstütze natürlich diese Eigeninitiative meines Hundes. „Teddy du kannst auf mich zählen! Ich bin täglich bei dir!“

Einige Ignoranten meidet sie seither konsequent. Wie heute morgen. Da stehen drei Hunde samt Besitzerinnen auf unserer Strecke und versperren uns den Weg. Zwei davon kann sie selbst bei schönem Wetter nicht leiden, also lasse ich mich überreden, den anderen Weg am Wald entlang auf dem Flurbereinigungsweg zu gehen. Das ist eh viel spannender für Hunde. Viele Mitbürger unseres Ortes bereinigen nämlich dort ihren Flur (oder besser: Küche und Bad). Bei erlaubten Tempo 30 funktioniert das auch prima. Man kann quasi en passant seinen „Flurmüll“ aus dem offenen Autofenster werfen, ohne das jemand zu Schaden kommt. Diese, täglich aktualisierten, Informationen, mal für echte Spürnasen im Maisfeld, mal ganz offen am Straßenrand platziert, sind ein gefundenes Fressen für meine Teddy. Deshalb laufe ich ihr zuliebe dort auch wirklich gerne entlang!

Speziell heute bin ich sehr froh darüber, denn ich war mächtig stolz auf mein „Mädchen“. Gerade als wir am Ende des Flurbereinigungsweges in den Wald abbiegen wollen, steht da nämlich mitten auf dem Parkplatz ein herrenloser Hund. Bei solch verdächtigen Subjekten bleibt meine Dame erst einmal wie einbetoniert stehen und peilt die Lage. Bei näherer Beobachtung sehe ich ein einziges Auto mit genau einem Menschen lesend im Auto sitzen, und kombiniere scharf, dass es sich bei diesem überaus selbstständigen Hund um dessen Herrchen handeln musste. Offfensichtlich ist er gerade in eine Gebrauchsanweisung vertieft, wie man seiner Fellnase beibringt, selbstständig um den Wald laufend und sämtliche Geschäfte erledigend, ohne Schaden anzurichten nach einer Stunde den Weg zum Auto findet. Oder so ähnlich. Ich baue mich gestikulierend vor dem (ich glaube) Opel auf und erzwinge so die Aufmerksamkeit des älteren Herrn. Schließlich ist möglicherweise Gefahr in Verzug, weiß ich doch nicht, zu welchen Taten sein Vierbeiner fähig ist, wo doch meine zart besaitete Dame noch immer wie einbetoniert und für meine Begriffe ziemlich deplatziert auf der Kreuzung verharrt.

Hundeherrchen steigt aus, und ich sehe mich überwältigt von seiner Jeansshorts, in die neben seiner eigenen Beine auch die der anwesenden Hunde sowie meiner beiden locker reingepasst hätten. Trotz des gelungenen Überraschungseffektes gelingt es mir, meine Frage abzurufen: „Ist das Ihr Hund?“ Er: „Es ist ein Mädchen!“ Hä? Was will er mir damit jetzt sagen? Es ist ein freiheitsliebendes Mädchen, das selbst die lange Leine ablehnt? Es ist ein Mädchen, das sehr selbstständig und zielstrebig ist und mit sich selbst Gassi geht? Es ist ein Mädchen, und Frauen hören sowieso nicht auf mich? Letzteres scheint die offensichtlichere Antwort zu sein, denn sein Mädchen macht sich, ohne auf Herrchens zaghafte Rufe zu reagieren, gerade am Hinterteil meines Mädchens zu schaffen. Dummerweise steuern gerade zwei Autos auf die Kreuzung zu. Ich lasse eine Stoßbitte nach oben los, dass Teddy nicht (wie so oft) panisch in die falsche Richtung rennt, sondern cool, den anderen Vierbeiner ignorierend (das kann sie nämlich auch) weiterläuft. Was soll ich sagen? Sie setzt ihre eben noch einbetonierten Beine in Bewegung und läuft stolzen Hauptes entspannt zu mir rüber. Das ist eben MEIN Mädchen. :-))

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