Die Worttänzerin bloggt
Urheberrecht und Nutzungsrecht

Wie komfortabel und einfach ist zu Zeiten des Internets ein Text von einer anderen Webseite kopiert und auf der eigenen Seite weiterverarbeitet. Einige wissen um die Gesetzeslage, andere wiegen sich in Sicherheit und denken „der Text ist doch online gestellt, also ist er frei verfügbar“. Weit gefehlt: Für jeden Text, aber auch für Bilder, Layouts und Musik gilt das Urheberrecht. Das bedeutet, an jeder geistigen und kreativen Schöpfung hat derjenige das Recht, der das Werk kreiert hat. Dieses Recht ist nicht übertragbar. Einmal Urheber, immer Urheber, unabhängig vom Alter. So darf laut Urhebergesetz jede schöpferische Leistung nur zusammen mit dem Namen des Urhebers und mit dessen Einwilligung veröffentlicht werden. Das Urheberrecht lässt sich auch nicht abtreten.

Nutzungsrechte übertragen
Übertragbar ist jedoch das sogenannte Nutzungsrecht. Hier kann der Urheber frei entscheiden, für welchen Zweck (Art, Dauer und Ort) und an wie viele Personen er die Nutzung übertragen möchte. Ein uneingeschränktes Nutzungsrecht – also Nutzung an jedem Ort und zu jeder Zeit – kann es nicht geben, da dadurch der Urheber sämtliche Rechte verlieren würde. Wird nichts ausdrücklich vereinbart, gilt laut § 31 des Urheberrechtsgesetzes, die einfache Nutzung: „§ 31 UrhG (5) Sind bei der Einräumung eines Nutzungsrechts die Nutzungsarten nicht ausdrücklich einzeln bezeichnet, so bestimmt sich nach dem von beiden Partnern zugrunde gelegten Vertragszweck, auf welche Nutzungsarten es sich erstreckt…“

Beispiel: Sie beauftragen einen Fotografen mit der Erstellung von Fotos für eine Firmenbroschüre. Wird nichts explizit vereinbart, dürfen Sie diese Fotos ausschließlich für dieses Werbemittel verwenden. Ähnlich verhält es sich mit Texten. Haben Sie Texte für einen Imageflyer beauftragt und erhalten, dürfen Sie diese nicht ohne Zustimmung z.B. auf Ihrer Webseite oder auf anderen Werbemitteln weiterverwenden.

Ausnahme
Ausgenommen von dieser Regel sind Werke von Urhebern, die länger als 70 Jahre tot sind oder wenn Sie aus bestehendem Material etwas Neues erstellen. Auch für Angestellte gilt diese Regelung nicht, wenn sie im Rahmen ihrer festen Aufgabenbereiche schöpferische Leistungen erbringen. Die Nutzungsrechte hierfür sind mit dem Gehalt abgegolten.

Fazit: Wenn Sie bestehende Texte, Fotos und andere schöpferische Leistungen (weiter-)verwenden wollen, sollten Sie die jeweiligen Nutzungsrechte klären bzw. beim Urheber beantragen, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden.

Weiterführende Links: Urheberrechtsgesetz Bundesjustizministerium

↑ Top