Die Worttänzerin bloggt
Webse fertig – Grafiker verhaftet

Jaaaaaa, endlich ist es da: mein neues Baby. 900kb groß, wohl geformt, in frischer Farbe und, für meinen Geschmack jedenfalls, gut gelungen. Schnell vergessen die langen Geburtsvorbereitungen. Keine 40 Wochen zwar, aber dafür habe ich – ja ich gestehe und bekenne mich schuldig im Sinne keiner Anklage: meinen Grafiker verhaftet. Jawoll. Ganze zwei Mal sogar. Und ich schäme mich auch gar nicht. Schließlich war ihm die Haftanstalt nicht ganz unbekannt. Ganze Tage, Abende und Wochenenden hat er schließlich darin verbracht. Nur diesmal war es etwas anders: Erstens war ich dabei, um keine Langeweile aufkommen zu lassen. Und zweitens hatte ich genügend Nerven-, Kopf- und Bauchansatznahrung dabei. Schließlich musste ich ja auch meinen Beitrag leisten.

Und so eigentlich klappte die erste gemeinsame Haftsitzung im McOffice, Zelle MäcFranky, wunderbar. Nach knapp 3 Stunden, einer nur halb leeren Chipstüte und Ferrero Rocher stand schon das Skelett samt Muskulatur meines neuen Babys. Ich war stolz wie Oskar: auf Franky und natürlich auf unseren neuen Wurf. Wenn Kinderkriegen auch so einfach wäre! Aber wir haben ja noch nicht gepixelt. Das durfte Frank dann in der Einzelzelle alleine machen. Während ich noch ein wenig am Textfenster feilte. Für Plan B war Haftverschonung angesagt: Markus, mein Schließer, war an der Reihe.

Der setzte sich flugs an seine Rechenmaschine, verzellte hier ein wenig, verschlüsselte da ein bisschen – doch plötzlich passten einige Schlüssel nicht mehr. Pflichtbewusstes Schließerhandeln war angesagt und so rief Markus mich kurzerhand nach Büroschluss (ich hatte den Nachmittag ab 18.00 freigenommen) an. Was mochte er nur von folgendem Gespräch gehalten haben? Eine Meuterei im Whirlschiff im Gange? Nun, leugnen war zwecklos. Von einer professionellen Office-Umgebung weit entfernt, saß ich mit zweien meiner Töchter in der Badewanne, die Luft- und Massagedüsen ließen lautstark Dampf ab, die Kids drohten im immer größer werdenden weißen Schaummeer endgültig zu verschwinden – und ich? Ich versuchte, mich samt Hörer über Wasser zu halten, Markus zu folgen (rein akustisch natürlich) und dabei noch einen schlauen Eindruck zu machen. Insgeheim wünschte ich mir Superman, Batman oder wer auch immer zuständig war, möge mich samt Markus und Telefon an einen trockenen, sturmfreien, ruhigen Platz beamen. Aber wir sind ja nicht im Film. Und so war ich glücklich, wenigstens noch seinen letzten Satz mitgenommen zu haben: „Ich hab Frank ne Mail geschickt, da steht alles drin.“ Puuhh, „Glück gehabt“, denke ich mir, um im nächsten Moment als Eisbär ‚verkleidet‘ und mit weißen Schaumaugen ins weitere Poolgeschehen einzugreifen. Ich war froh, wenigstens noch Markus entscheidenden Satz mitbekommen zu haben und beschloss, gleich am nächsten Tag … Frank wieder zu verhaften.

Eine Gelegenheit dazu sollte sich jedoch erst mehrere Tage später ergeben. Die Gunst der Stunde nutzte ich dann prompt nach einem gemeinsamen Termin: Ich fädelte das Thema geschickt ein, leitete gekonnt über zum „… wollen wir das nicht gleich machen…?“ und der nächste Streich war geglückt: Verhaftung Nr. 2. Während ich nichts tuend und dumm guckend neben im saß, leckeren Norma-Mini-Hanuta-Verschnitt aß, schob Frank Pixel für Pixel hin und her, rechnete links herum, rechts herum, aber das Programm schien wählerisch: es mochte zwar dunkelblau, aber hellblau ließ es eiskalt abblitzen. Ergebnis: konsequente Nichtachtung. An der Stelle fühlten wir uns beide ziiiemlich verhaftet. Also, noch einmal das ganze in neuem Gewand: Pixel jonglieren hier, Bild berechnen da und dieses Mal ließ Frank nicht locker. Und endlich klappte es. Wie gut, dass Frank trotzdem meinte, es sei wieder mal alles schneller gegangen als gedacht. Prima! Ob das an meinem Dummguckoder Nichtstu lag?

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