Die Worttänzerin bloggt
Wie viel Energie verbraucht man beim Jammern?

Heute lasse ich meiner sarkastischen Ader mal freien Lauf. Vielleicht liegt es daran, dass ich seit ein paar Wochen  mühsam versuche, mir ein paar Pfund abzuhungern und abzutrainieren. Jedenfalls ist das Thema Energieverbrauch im Moment sehr präsent. Und so frage ich mich, ob man auch beim Jammern Energie verbraucht. Braucht man dafür vielleicht so viel Beweglichkeit, dass man extra Sportsachen anzieht? Es wäre eine logische Erklärung für ein Erlebnis, dass ich diese Woche hatte…

Ich betrete an einem sonnigen Vormittag Anfang der Woche ein B2C-Geschäft in meinem Ort (ich nenne keine Branche). Es befindet sich an ziemlich prominenter Stelle an der Hauptstraße. Täglich fahren hier hunderte von Autos vorbei und schauen quasi direkt in die Auslage des Geschäftes. Schöne Lage also. Könnte man was draus machen. Ich betrete den Laden und (für meine Begriffe) drei Sekunden zu spät erscheint der Inhaber aus dem Hinterzimmer. Es muss der Chef sein, denn ein Angestellter hätte niemals dieses Outfit bei der Arbeit tragen dürfen. Der Mann trug ein Poloshirt und eine Adidas- (oder vielleicht auch Nike- oder dergleichen) Sporthose. Die kurzen bis kurz übers Knie, denn es war ja heiß draußen. Und ich glaube unten herum waren es Flipflops oder ähnlich offenes, ich will es nicht beschwören. Ich denke: Yeah, der perfekte Kandidat für die Marketingveranstaltung, die ich ihm gleich empfehlen wollte (und für die er bereits als Mitglied eine Einladung hatte). Denn es geht da u.A. auch um Kleidung, Stil und Auftritt im Business. Er wusste bescheid, aaaaaber war im Gewissenskonflikt: Das ist doch der heiligste Tag der Woche, der Mittwoch. Da ist Fußball (oder war es Tennis), und da ist er noch „schwer am Überlegen“, ob er dieses heiligste aller heiligen Events der Woche für diese (kostenlose) Veranstaltung opfern solle…. Nun muss der geschätzte Leser wissen, dass es dieses Treffen nur EINMAL im Jahr gibt und dies die erste Kickoff-Veranstaltung ist. Ich stehe da und bewege mich zwischen sprachlos (was besser gewesen wäre) und nach Argumenten suchend, während in mir die Stimme schreit: Bist du eigentlich bescheuert? (Hier kommt wieder so eine meiner Adern durch, wo ich dran bleibe, bis es weh tut. Ich muss das bei den Temperaturen unbedingt einstellen).

Wie es denn mit seinen Marketingaktivitäten aussehe, wollte ich wissen, um vom Thema abzulenken. Ah, schlecht. Bei der Hitze gehe ja keiner aus dem Haus (aha), und außerdem sei es in der Branche gerade schwierig. Und die Werbung bzw. die Werbeagentur, die der Dachverband anbietet, sei ja schweineteuer und nein, seine Anzeige, die er im lokalen Blättchen mache, hätte bisher nichts gebracht. Hm, aber ob er zur Veranstaltung kommen wolle… Das Hobby, Sie verstehen! Ja, ja, ich verstehe. Danach klingelt das Telefon. Am anderen Ende ist so etwas wie ein Vertreter von diesem Dachverband, den er gepflegt auseinander nimmt. Während dessen kommt eine Kundin herein und schaut sich um. Da hat sich doch tatsächlich jemand verirrt bei den Temperaturen!!! Er lässt die Dame gucken, mich sitzen und macht den Mann in der Telefonleitung abschließend fertig. So viel Zeit muss sein. Meine (Zeit) ist jetzt auch überreif. Ich lege ihm meine Visitenkarte auf den Tisch, verabschiede mich kurz und unterbinde meinen Drang, FLUCHTartig den Laden zu verlassen.

Ich weiß nicht, ob er beim Jammern, Meckern und Echauffieren ins Schwitzen geraten ist. Ich fand es jedenfalls sehr anstrengend, und er hat mich zum Schwitzen gebracht. Die Sportsachen hätte ich an der Stelle besser gebrauchen können – inklusive Kopfschützer und Ohrstöpsel. Wer nun mehr Energie verbraucht hat beim dem Gespräch bleibt offen. Ich bin jedenfalls gespannt ob und in welchem Outfit er bei der Veranstaltung erscheint. Oder lässt er den Platz besser frei für jemanden, der wirklich daran interessiert ist sein Geschäft voranzubringen? Ich wundere mich jedenfalls nicht über seine schlechten Umsätze. Er tut schließlich sein Bestes, dass es so bleibt.

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