Wie ich Texterin wurde

Texterin wurde ich auf Umwegen, wenn auch etwas außergewöhnlichen. Obwohl ich mich nicht darum riss, wurde ich Vorsitzende der örtlichen Krabbelgruppe. Eine meiner ersten und wichtigsten Aufgaben war die Gewinnung neuer Krabbelkinder. Ich hatte bis dahin noch nie aktiv mit Akquisition oder Werbung zu tun gehabt, außer natürlich als potenzielle Empfängerin der üblichen Werbebriefe und Wurfsendungen. Und da ich selbst am liebsten mit einem wirklich interessanten Angebot umworben werde, wollte ich unseren potenziellen Kunden das Gleiche bieten. Die Frage war nun: Wie kann ich neue Leute ansprechen, denn unsere klassische Zielgruppe (Mütter mit 1-3-Jährigen) schien zu dem Zeitpunkt ausgestorben zu sein. Ein Strampelanzug, den ich bei einem Spaziergang in einem Garten hängen sah, brachte schließlich die zündende Idee: eine Säuglingsgruppe! Doch wie schaffe ich es, Schwangere (die noch mit ganzen anderen Themen beschäftigt sind) in eine Krabbelgruppe zu locken? Also organisierte ich einen Infoabend mit einer Ernährungsberaterin zum Thema Ernährung im Säuglings- und Kleinkindalter, schrieb eine Ankündigung im örtlichen Mitteilungsblättchen, hängte Plakate in Hebammenpraxen, im Klinikum und bei Frauenärzten aus und lud eine Journalistin und Mutter zweier Kinder zum Infoabend ein.

Sei erfolgreich und lass andere davon hören

Die Veranstaltung wurde ein voller Erfolg. Es kamen Mütter nicht nur aus unserem Ort, sondern aus der ganzen Stadt. Direkt am Abend entstand schon eine eigene Gruppe mit 6-8 Müttern. Nach Erscheinen der Pressemitteilung meldeten sich noch weitere Interessierte. Bald konnte auch diese Gruppe wegen Überfüllung keine neuen Mitglieder mehr aufnehmen. Kurz darauf fragte mich eine Mutter aus dem Ort, ob ich nicht eine kleine Information über den Krabbelgottesdienst schreiben könne, denn es kämen immer so wenig Kinder in die Kirche. Klar konnte ich. Nach Erscheinen des Berichtes erschienen, anstatt der üblichen 6-8 Kids, knapp 30 Kinder samt Müttern, Omas und älteren Geschwistern. Die Kirche war selten so voller Leben. Und heute ist es noch genauso lebhaft.

Studium

Weitere Angebote ehrenamtlicher Tätigkeit musste ich leider ausschlagen, denn mittlerweile hatte sich meine Vorstellung über meine berufliche Zukunft so stark konkretisiert, dass ich ein Fernstudium zum Werbetexter begann. Die letzten Wochen hatten mir zwar gezeigt, dass ich mit dem Schreiben erfolgreich war und ein gewisses Talent hatte, aber darauf allein wollte ich mich nicht verlassen. Bei der Recherche erfuhr ich, dass es zwar den Beruf "Werbetexter" gab, dies allerdings ohne klassische Ausbildung. Viele haben das Texten durch Learning by doing oder in Agenturen mit guten "Chef-Textern" gelernt. Ich war froh, mit dem Studium nicht nur wertvolle Hilfe und Hintergrundwissen zu Textaufbau und zur richtigen Technik zu bekommen, sondern auch viel Basiswissen und 'Drumherum' zum Thema Werbung und Strategien mitgenommen zu haben. Vielen Dank an dieser Stelle an meinen Lehrer und alten 'Texterhasen' H.J. Pomplitz fürs unermüdliche Korrigieren meiner Arbeiten.

Nicht zuletzt sehe ich in meiner Ausbildung auch einen Wettbewerbsvorteil.

Wen und was man (unbewusst) anzieht

Ohne mich auf eine bestimmte Branche zu spezialisieren (meine Neugier für alles ist einfach zu groß), kristallisierte sich doch ein Trend heraus: Die Dienstleister (Berater, Gastronomie, IT-Beratungshäuser, Steuerberater, etc.) waren in der Mehrheit: - und zwar nicht, weil ich sie angesprochen hätte, sondern weil sie auf mich zukamen. Warum? Vermutlich, weil ich selbst viele Jahre - eigentlich schon immer - in der Dienstleistungsbranche gearbeitet habe und mich dort zu Hause fühle. Meine Kunden schätzen meine Erfahrungen und meinen "Servicegedanken", sie fühlen sich verstanden. Ich weiß, wie Dienstleister ticken (sollten) und kann deshalb an der entsprechenden Stelle im Gespräch nachhaken. Aber auch andere Branchen reizen mich, denn mit jedem Thema erweitere ich meinen Horizont und kann Dinge aus mehreren Blickwinkeln betrachten - eine Eigenschaft, die fürs Texten ungemein wichtig und für meine Kunden sehr Gewinn bringend ist.

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